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Rezension zu: Reichel: Heilsame Rahmenbedingungen in der Psychotherapie. facultas

René Reichel widmet sich in seinem neuesten Werk „Heilsame Rahmenbedingungen in der Psychotherapie“ Aspekten, die selten explizit besprochen werden, aber in jede Psychotherapie in irgendeiner Form hineinwirken: dem Rahmen, in dem Therapie stattfindet. Wie kann die Atmosphäre im Raum so gestaltet werden, dass sie heilsam wirkt? Welche Auswirkungen hat die Wahl des Settings auf den therapeutischen Prozess? Welcher rechtliche Rahmen ist dabei zu beachten? Wie kann eine Therapie gut beginnen – und wie kann sie stimmig enden? Und ist es überhaupt der „richtige Zeitpunkt“ für eine Psychotherapie?

Raum, Zeit und zahlreiche weitere Einflussfaktoren wie Motivation und Freiwilligkeit, Verschwiegenheit, Dokumentation, Aufklärung sowie die Anstellungsverhältnisse von Psychotherapeut*innen finden im Buch Berücksichtigung. Dabei bleibt der Autor seiner eigenen Empfehlung treu, den eigenen Sprachgebrauch kritisch zu hinterfragen, und überzeugt mit einem leicht lesbaren und mit Fachbegriffen sparsamen Schreibstil.

Psychotherapeut*innen am Beginn ihrer beruflichen Tätigkeit erhalten einen guten Überblick darüber, worauf in Bezug auf Praxisgestaltung, Zeitstruktur und therapeutische Rahmenbedingungen – etwa persönliche Verflechtungen – geachtet werden sollte. Gerade zu Beginn der psychotherapeutischen Arbeit stellen sich viele Fragen, die in der Ausbildung oft nur am Rande behandelt werden, weil sie sehr spezifisch erscheinen (z. B. „Sollte ein Erstgespräch kostenfrei angeboten werden?“ oder „Was ist bei Hausbesuchen zu beachten?“), im Berufsalltag jedoch eine klare Positionierung verlangen.

Erfahrene Kolleg*innen wiederum werden an Aspekte erinnert, die im Laufe der Jahre möglicherweise aus dem Fokus geraten sind – etwa das Thema Sprechtempo oder die Klarheit finanzieller Vereinbarungen und zeitlicher Strukturen. Gleichzeitig bietet das Buch neue Impulse, beispielsweise zur Anwendung technischer Hilfsmittel oder zur Auseinandersetzung mit dem Thema Gender im therapeutischen Geschehen.

An vielen Stellen regt das Werk zur Reflexion der eigenen Arbeitsweise an und erweist sich durch Übungen sowie Beispiele aus dem langjährigen Erfahrungsschatz des Autors als Psychotherapeut, Lehrtherapeut und Supervisor als besonders praxisnah.

Aufgrund der thematischen Vielfalt bleiben einzelne Kapitel allerdings relativ knapp gehalten. Das macht das Buch im vollen Praxisalltag angenehm lesbar, hinterlässt stellenweise jedoch den Wunsch, noch tiefer in einzelne Themen einzutauchen.

Besonders spannend ist zudem der Ansatz, auch die Fachgesellschaften der österreichischen Psychotherapierichtungen zu Wort kommen zu lassen. Dadurch entstehen interessante Einblicke in den jeweiligen schulenspezifischen Umgang mit den behandelten Themen. Neben den unterschiedlichen Perspektiven wird dabei vor allem sichtbar, was die österreichische Psychotherapielandschaft verbindet.

Insgesamt ist „Heilsame Rahmenbedingungen in der Psychotherapie“ ein praxisnahes und anregendes Fachbuch, das den Blick auf die therapeutische Begegnung schärft. Es erinnert daran, dass Heilung nicht allein durch Interventionen und Wissen über Störungsbilder gefördert wird, sondern ebenso durch die Qualität des Rahmens, in dem Menschen einander begegnen.

Mag.a Mag.a Huberta-Maria Schultes 
https://www.praxisschultes.at